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Dienstag
07.02.2012
 
 




600 Jahre St. Stephan 1409 - 2009 | Drucken |


Seit 600 Jahren Mittelpunkt der Pfarrgemeinde
Im Jahr 2009 beging die katholische Pfarrgemeinde das 600jährige Jubiläum der Pfarrkirche St. Stephan. Eine so lange, an unzähligen Höhepunkten reiche Geschichte, die unsere Pfarrkirche erlebt hat, musste auch angemessen gefeiert werden. Daher plante die Pfarrgemeinde zusammen mit dem Kulturamt und den Museen der Stadt Mindelheim ein Jubiläumsjahr, das zu Pfingsten 2009, dem Geburtstag der Kirche begann und zu Kirchweih 2009 sein feierliches Ende fand. Begleitend stellte eine große Ausstellung im Jesuitenkolleg die Geschichte der Kirche dar, Festgottesdienste, Predigten und geistliche Führungsangebote für Kinder und Erwachsene rundeten das Programm ab.

Die Geschichte der Pfarrei Mindelheim reicht zurück in das frühe Mittelalter. Das Stephanspatrozinium und ein dem hl. Martin geweihter Altar (das Altarblatt hängt heute im Langhaus der Kirche auf der Nordseite) deuten auf eine Gründung im 7./8. Jahrhundert hin. Zudem ist die Größe des Pfarrsprengels ein deutliches Zeichen für eine sogenannte Ur- oder Mutterpfarrei, die in der Frühzeit der kirchlichen Organisation unserer Gegend zur Versorgung der Gläubigen gegründet wurde.

Die erste Pfarrkirche St. Stephanus befand sich allerdings lange vor der Gründung der Stadt Mindelheim nicht an der heutigen Stelle, sondern etwa 800 m nördlich an der Westernacherstraße im Bereich des alamannischen Dorfes Mindelheim. Ein Gedenkstein erinnert noch immer an diese Kirche, die nach einer alten Überlieferung im Jahr 818 erbaut worden sein sollte. Diese alte Stephanskirche war zuerst auch Pfarrkirche der neugegründeten Stadt bis im Jahr 1409 Herzog Ulrich von Teck, der damalige Stadt- und Landesherr Mindelheims, die Pfarrkirche in seine Stadt verlegt hat und dazu einen großen gotischen Neubau errichten ließ. Daher liegt die Mindelheimer Pfarrkirche nicht im Zentrum, wie es in Schwäbischen Städten üblich ist, sondern am Rand der Altstadt. Die alte Stephanskirche diente fortan nur mehr als Filial- und Friedhofskirche bis sie 1816 abgebrochen wurde.

Die neue Kirche entstand ab 1409 als dreischiffiger gotischer Bau von beträchtlichen Ausmaßen, denn sie war erheblich breiter als die heutige Kirche. Sie hatte eine flache Holzdecke, 11 Altäre und war reich ausgestattet. Die bis heute erhaltenen Reste dieser Ausstattung wird die Ausstellung im Jesuitenkolleg zeigen.

In den Jahren 1712 und 1713 erfolgte ein teilweiser Neubau der baufälligen gotischen Kirche. Dieser steht noch heute allerdings nur in seinen Umfassungsmauern, denn von 1862 an erfuhr die barocke Kirche eine umfassende Neuausstattung in neuromanischem Stil, die alle barocken Elemente entfernte. Erst die Renovierungen der Jahre 1933/34 und vor allem die große Neugestaltung des Innenraumes von 1958 bis 1961 fügte wieder einige barocke Ausstattungsstücke in die Kirche ein. Allein der gotische Turm blieb bis in die Gegenwart bestehen.

So bietet sich unsere Pfarrkirche heute als immer wieder umgestaltetes Gotteshaus dar, das sich den veränderten Bedürfnissen jeweils angepasst hat und das in der Lage sein musste, dem Leben der katholischen Gemeinde einen würdigen Rahmen zu bieten. St. Stephan ist die gute Stube unserer Gemeinde, in der die Höhepunkte des Kirchenjahres und der menschlichen Lebensstationen seit 600 Jahren gefeiert werden. Es ist der Ort der Trauer, der Hoffnung und der Freude, als erlöste Menschen dort leben zu dürfen, wohin uns unser gütiger Gott gestellt hat – und das seit 600 Jahren.

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