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Wie alle alten an Geschichte reichen Städte, hat auch Mindelheim ein Spital zur Versorgung der alten bzw. notleidenden Bürgerinnen und Bürger. Eine Stiftung durch Herzog Ulrich von Teck am 3. Mai 1426 ist das erste Zeugnis für das entstehende Bauwerk, dessen Kapelle 1448 geweiht wurde. Mehrfach umgestaltet erhielt das Gebäude sein heutiges Aussehen in elegant klassizistischem Formengut um 1830.
Die Anfänge der Spitalkrippe liegen im 18. Jahrhundert. Figurengruppen aus verschiedenen Zeiten erweisen, dass die Krippe immer wieder erneuert und erweitert wurde. So stammt eine kleine Gruppe noch aus dem 18. Jahrhundert, eine größere aus der Biedermeierzeit (um 1820/30), die größte Gruppe aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und einige Figuren auch aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, als die Mallersdorfer Schwestern die Krippe betreut haben.
Ursprünglich diente diese Krippe zur Weihnachtszeit als Kirchenkrippe des Spitals. Erst bei der Renovierung der Kapelle im Jahr 1911 entstand ein eigener Krippenraum mit vergittertem Einblick im Vorraum der Kapelle. Malermeister Ernst Holzbaur malte damals das große Landschaftspanorama für die Krippenbühne. Hier wurden die verschiedenen Szenen von der Verkündigung an Maria bis zur Taufe Christi und der Hochzeit zu Kana dargestellt. Landschaften entstanden aus Korkrinden, Tuffsteine bildeten Felsen, Tücher, Moos und Sand vervollständigten die Illusion.
Dazu kamen raffinierte Gebäude aus Holz, mit denen sich Tempel, Palastanlagen und ganze Städte inszenieren ließen. Sämtliche Teile sind zum Glück bis heute erhalten und werden auch in der Neuaufstellung der Krippe immer wieder zu sehen sein. Da die Krippe von Anfang an nur während der Advents- und Weihnachtszeit aufgestellt war, wurde der Einblick während des Jahres mit einem Glasfenster, das die Erscheinung der hl. Maria in Lourdes darstellte, geschlossen. Dieses Fenster ist mittlerweile in den Museen im Jesuitenkolleg zu sehen.
Infolge nötiger Umbauten im ehemaligen Altersheim erhielt die Krippe vor einigen Jahren einen neuen Platz in der Passage, die von der Maximilianstraße durch den Innenhof zur Imhofgasse und Frundsbergstraße führt. In Abstimmung mit Museumsleiter Christian Schedler plante das Architekturbüro Holl und Partner einen Bühnenraum mit anschließendem Figurendepot. Das städtische Bauamt übernahm die Planungen für die neue Bühne und die Einrichtung des Depots. Der städtischen Bauhof errichtete schließlich die neue Bühne und schuf die elektrischen Voraussetzungen für eine geeignete Beleuchtung, sowie für das beliebte segnende Jesulein und eine Spieluhr mit mehreren Melodien.
Erwin Holzbaur hat dankenswerterweise in guter Familientradition einen neuen Hintergrund für die wesentlich kleinere Krippenbühne gemalt. Bei der Gestaltung der Bühne orientierte sich die Museumsleitung an Krippenschaukästen in Münchener Tradition, deren verengter Einblick den Aufbau der Landschaft erleichtert und die Bühnenwirkung der Szenerien erhöht. So gesehen ist diese neue Aufstellung für die Krippe eher förderlich, da die frühere Bühne fast zu groß war.
Nach Karl Spies und dem Ehepaar Irene und Siegfried Putz betreut nun Werner Fuchs die Spitalkrippe. Hierfür gilt ihnen Dank und Anerkennung.
Auf eine Jahreskrippe wird seit der Umgestaltung zugunsten der ursprünglichen Aufstellungspraxis verzichtet: So wird der Advents- und Weihnachtsfestkreis bis zur Hochzeit zu Kana in wechselnden Darstellungen das heilsgeschichtliche Geschehen illustrieren. Außerhalb dieser Zeit wird die Kapelle mit dem segnenden Jesulein, das sich auf einen Geldeinwurf hin in Bewegung setzt, in einer Krippenlandschaft zu sehen sein.
Nach langer Zeit des Wartens sind wir froh, dass diese beliebte Krippe, die zur Altstadt Mindelheims gehört wie die Türme, erhalten werden konnte und wieder für alle zugänglich gemacht wurde.
Christian Schedler M.A.
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