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31.07.2010
 
 


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Die Mindelheimer Jesuitenkrippe | Drucken |


Zur Weihnachtszeit wird das malerische mittelalterliche Städtchen Mindelheim zu Recht als "Krippenstadt" bezeichnet. Denn seit etwa 370 Jahren werden in Mindelheim zur Weihnachtszeit Krippen aufgestellt.

Den Anfang machten die Jesuiten am Weihnachtsfest des Jahres 1618, als sie in der Jesuitenkirche eine Krippe mit bekleideten Figuren von etwa einem Meter Größe aufgebaut haben. Diese Krippe wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten erweitert und immer wieder erneuert. Heute präsentiert sich ein beachtlicher Rest von ca. 80 Figuren im Chor der festlichen Jesuitenkirche. Sie sind in einer eindrucksvollen Massenszene präsentiert, die zeitgleich nacheinander ablaufende Episoden der Weihnachtsgeschichte darstellt.

Die beeindruckende Großkrippe vermittelt einen hervorragenden Eindruck barocker Frömmigkeit, die das Weihnachtsgeschehen in die heimische Landschaft versetzt hat:

Von rechts kommen Hirten, Mindelheimer Bürger und Bauern, während von links die heiligen drei Könige mit großem Gefolge - sogar Kriegselefanten sind dabei - zur Krippe ziehen. Auch die Königin von Saba auf einem Schimmel sowie eine noble Engelsgarde fehlen nicht.

Im 18. Jahrhundert wurden die Figuren in verschiedenen Szenen gruppiert und nicht simultan gezeigt. So umfassten die Bilder der auf Glaubensbelehrung ausgerichteten Jesuitenkrippe vermutlich die Verkündigung an Maria, die Herbergssuche und die Verkündigung an die Hirten; gesichert sind die Szenen der Anbetung durch die Hirten, der Heiligen drei Könige an der Krippe und der Hochzeit von Kana mit großer Tafel und vielen Speisen.

Großartige gemalte Kulissen und Hintergründe vervollständigten den Gesamteindruck, sie wurden leider in den 60er Jahren des 20. Jh. ein Opfer des Zeitgeistes. Schließlich brachten die Schüler des Jesuitengymnasiums im 17. und 18. Jh. vor der Krippe geistliche Spiele zur Aufführung.

Dieser beeindruckende barocke Reichtum ist vergangen, doch einen Eindruck der geistlichen Fülle dieses Heiligen Theaters vermittelt auch die heutige Massenszene der traditionsreichen Krippe.

Gebrauchsbedingte Verschleißspuren insbesondere an den Textilien wurden und werden liebevoll von der Mindelheimerin Olli Hirle behoben, die gemeinsam mit ihrer Familie die Krippe seit vielen Jahren auf- und abbaut. Ihr ist ebenso der prächtige Christbaum zu verdanken.

Das barocke ehemalige Jesuitenkolleg beherbergt heute die exzellenten Sammlungen des Schwäbischen Krippenmuseums (ganzjährig geöffnet), die nicht nur weihnachtliche Krippen umfasst, sondern auch Zeugnisse der Volksfrömmigkeit.

Christian Schedler M.A.Bildergalerie >>>






Jesuitenkirche am Unteren Tor
Jesuitenkrippe in der
Jesuitenkirche am Unteren Tor
Jesuitenkrippe
Jesuitenkrippe
jesuitenkrippe3.jpg